07 Jul 2026

Rotatorenmanschette Riss: Erkennen, behandeln, richtig regenerieren

Plötzlicher Schmerz beim Heben oder nach einem Sturz auf die Schulter — ein Riss der Rotatorenmanschette ist eine der häufigsten ernsthaften Schulterverletzungen. Nicht jeder Riss muss operiert werden, aber die richtige Diagnose ist entscheidend. In meiner Praxis in Wiesloch erlebe ich täglich Patienten, die Wochen oder Monate mit Schulterschmerzen leben, bevor sie eine klare Diagnose erhalten. Dabei entscheidet der Zeitpunkt der Behandlung maßgeblich darüber, wie vollständig die Schulter wieder belastbar wird.

Was ist die Rotatorenmanschette?

Die Rotatorenmanschette ist ein Verbund aus vier Muskeln und ihren Sehnen, der das Schultergelenk umhüllt und stabilisiert. Diese vier Muskeln arbeiten zusammen, um den Oberarmknochen zentriert in der Gelenkpfanne zu halten und präzise Rotationsbewegungen zu ermöglichen. Der Supraspinatus ist der am häufigsten von Rissen betroffene Muskel und zuständig für das seitliche Anheben des Arms. Der Infraspinatus verantwortet die Außenrotation; ihm zur Seite steht der Teres minor, der diese Bewegung unterstützt. Der Subscapularis schließlich liegt auf der Vorderseite und ist allein für die Innenrotation zuständig.

Gemeinsam bilden diese vier Strukturen die dynamische Schulter-Stabilisation. Fällt eine aus — sei es durch Riss oder Schwäche — gerät das gesamte Gleichgewicht des Gelenks aus der Balance. Die Folge: Schmerzen, Kraftverlust und Bewegungseinschränkungen, die den Alltag erheblich beeinträchtigen.

 

Wie entsteht ein Riss?

Risse der Rotatorenmanschette entstehen auf zwei grundlegend verschiedene Weisen:

Traumatischer Riss

Ein plötzliches Ereignis — ein Sturz auf den ausgestreckten Arm, eine abrupte Zugbewegung oder eine Schulterausrenkung — kann auch gesundes Sehnengewebe zum Reißen bringen. Solche Verletzungen sind in jedem Alter möglich.

Degenerativer Riss

Häufiger ist der schleichende Verschleiß: Über Jahre hinweg nutzen sich die Sehnen ab, werden dünner und rissiger, bis sie schließlich reißen — oft ohne ein eindeutiges Unfallereignis. Ab dem 50. Lebensjahr nehmen degenerative Risse stark zu. Manchmal bemerken Betroffene kaum einen Unterschied, weil sich der Prozess so langsam vollzieht.

Partialriss vs. kompletter Riss

Klinisch ist die Unterscheidung zwischen einem Partialriss (die Sehne ist angerissen, aber noch teilweise intakt) und einem kompletten Riss (die Sehne ist vollständig durchtrennt) von entscheidender Bedeutung. Beide Verletzungen können ähnliche Symptome erzeugen — die Behandlungsstrategie jedoch unterscheidet sich erheblich.

 

Typische Symptome

Ein Riss der Rotatorenmanschette äußert sich meist durch eine charakteristische Kombination aus Schmerzen und Funktionsverlust. Besonders typisch sind Schmerzen beim Anheben des Arms — besonders ausgeprägt zwischen 60° und 120° (der sogenannte „schmerzhafte Bogen“). Hinzu kommen Nachtschmerzen und Schlafstörungen, da das Liegen auf der betroffenen Schulter oft kaum möglich ist. Viele Patienten berichten außerdem von einem deutlichen Kraftverlust: Der Arm kann nicht mehr gegen Widerstand gehalten werden, und alltägliche Bewegungen wie das Greifen ins Regal fallen schwer. Manchmal tritt auch ein hörbares oder spürbares Schnappen bei Schulterrotation auf, das durch strukturelle Veränderungen im Gelenk entsteht.

Diagnose in meiner Praxis

Eine zuverlässige Diagnose erfordert mehr als ein einziges Bild. Ich kombiniere klinische Untersuchung, bildgebende Verfahren und — bei Bedarf — die direkte arthroskopische Beurteilung.

Klinische Untersuchung

Gezielte Tests wie der Jobe-Test (Supraspinatus), der Drop-Arm-Test (Hinweis auf kompletten Riss) und der Belly-Press-Test (Subscapularis) geben mir bereits vor dem ersten Bild wichtige Informationen darüber, welche Sehne betroffen sein könnte.

MRT — Goldstandard

Das MRT ist das entscheidende diagnostische Werkzeug. Es zeigt Größe und Lokalisation des Risses, das Ausmaß einer möglichen Sehnenretraktion (Rückzug der gerissenen Sehne) und eventuelle Muskelatrophie. Diese Informationen bestimmen direkt die Behandlungsstrategie.

Ultraschall

Der Ultraschall ist besonders für die dynamische Beurteilung geeignet — ich kann Sehnenstrukturen in Bewegung beurteilen und schnell eine erste Einschätzung geben. Er eignet sich ergänzend, ersetzt das MRT bei komplexen Befunden jedoch nicht.

Arthroskopische Beurteilung

In manchen Fällen ist die direkte arthroskopische Inspektion das präziseste Mittel. Hier sehe ich die Sehnenstrukturen in Originaldarstellung — und kann in derselben Sitzung direkt behandeln, wenn das indiziert ist.

 

Wann konservativ, wann Operation?

Die Entscheidung hängt von mehreren Faktoren ab: Rissgröße, Lokalisation, Alter des Patienten, Aktivitätsniveau und Dauer der Beschwerden.

Partialrisse — oft konservativ behandelbar

Partialrisse, insbesondere bei älteren oder weniger aktiven Patienten ohne relevante Funktionseinschränkung, können sehr gut konservativ behandelt werden. Das strukturierte Bewegungsprogramm zielt auf Kräftigung der verbliebenen Schultermuskulatur, Wiederherstellung des muskulären Gleichgewichts und Entlastung der gerissenen Sehne.

ACP/PRP (Eigenbluttherapie) hat sich als wertvolle Ergänzung bewährt: Durch Injektion hochkonzentrierter Wachstumsfaktoren — PDGF (Platelet-Derived Growth Factor), TGF-β (Transforming Growth Factor-beta) und IGF (Insulin-like Growth Factor) — wird der körpereigene Heilungsprozess im Sehnengewebe gezielt stimuliert.

Kompletter Riss beim jungen, aktiven Patienten

Hier empfehle ich eine frühzeitige arthroskopische Sehnennaht. Je früher die Sehne refixiert wird, desto geringer das Risiko der Retraktion — und desto besser die Voraussetzungen für eine vollständige Wiederherstellung der Schulterfunktion.

Degenerativer Riss beim älteren Patienten

Bei fortgeschrittenem Alter und überwiegend degenerativem Riss ohne wesentliche funktionelle Einschränkung ist die Abwägung individuell. Nicht jeder Riss, der im MRT sichtbar ist, muss operiert werden.

 

Die arthroskopische Rotatorenmanschettennaht

Ich führe arthroskopische Sehnenrekonstruktionen als minimalinvasiven Eingriff durch — mit kleinen Stichinzisionen statt einem großen Schnitt. Das Schultergelenk wird dabei unter Sicht über eine Kamera und speziell eingeführte Instrumente versorgt.

Narkose

Der Eingriff erfolgt in Vollnarkose, begleitet von einem Schmerzblock des Plexus brachialis (Nervenblock am Arm). Dieser Schmerzblock wirkt noch Stunden nach der OP und erleichtert den Übergang in die Schmerzmedikation erheblich.

Technik

Die Sehne wird mit speziellen Knochenankern wieder am Humeruskopf befestigt — exakt dort, wo sie ursprünglich ansetzt. Die Anker werden direkt im Knochen verankert und halten die Sehne in optimaler Position, bis das Sehnengewebe eingewachsen ist.

Ambulant oder kurzer Aufenthalt

Fast alle Schultereingriffe  führe ich ambulant durch — Sie kommen morgens, werden operiert und gehen am gleichen Tag nach Hause. Post-operative Nachbehandlung

Die Nachbehandlung ist für den Operationserfolg genauso entscheidend wie der Eingriff selbst. In den ersten vier Wochen schützt eine Schulterorthese die frische Sehnennaht vor Überlastung mit einem Abduktionskissen. Begleitend kommt in den ersten sechs Wochen der Schulterbewegungsstuhl zum Einsatz: Er bewegt die Schulter passiv, ohne aktive Muskelanspannung, hält das Gelenk beweglich und schont gleichzeitig die Naht. Ab Woche sechs bis acht beginnt der aktive Muskelaufbau und das strukturierte Eigentraining — eine systematische Kräftigung der Schultermuskulatur nach Plan. ACP/PRP wird direkt postoperativ und in der frühen Heilungsphase eingesetzt; die Wachstumsfaktoren PDGF, TGF-β und IGF unterstützen dabei die zelluläre Regeneration im Sehnengewebe.

 

Wie lange dauert die Heilung?

Sehnengewebe heilt grundsätzlich langsamer als Muskel- oder Knochengewebe. Realistische Zeitangaben helfen, Erwartungen zu steuern und die Geduld aufzubringen, die für ein gutes Ergebnis notwendig ist. Büroarbeit und leichte Alltagstätigkeiten sind oft nach zwei bis drei Wochen wieder möglich. Volle Alltagsbelastbarkeit erreichen die meisten Patienten nach etwa drei Monaten. Für Sport und körperlich belastende Tätigkeiten sollten — je nach Ausmaß des Risses — vier bis neun Monate eingeplant werden; die volle strukturelle Belastbarkeit der Sehne selbst stellt sich in drei bis sechs Monaten ein.

ACP/PRP kann den Regenerationsprozess messbar beschleunigen — insbesondere in der frühen Heilungsphase, wenn die biologische Aktivität am höchsten ist.

 

 Häufige Fragen (FAQ)

 

Kann ein Riss der Rotatorenmanschette von selbst heilen?

Partialrisse — insbesondere kleine, oberflächliche Anrisse — können sich unter optimalen Bedingungen mit gezieltem Muskelaufbau, Entlastung und ACP/PRP-Therapie deutlich verbessern. Ein kompletter Riss (alle Fasern der Sehne durchtrennt) heilt ohne operative Versorgung nicht. Das bedeutet nicht zwingend, dass eine OP nötig ist — aber die Ursache der Beschwerden bleibt bestehen.

 

Was passiert, wenn ich nicht operieren lasse?

Bei einem behandlungsbedürftigen Riss ohne OP drohen drei Szenarien: anhaltende Schmerzen und Funktionseinschränkung, zunehmende Retraktion der Sehne (erschwert spätere OP) und degenerative Veränderungen des Schultergelenks (Omarthrose). Ich berate Sie individuell, ob und wann eine OP notwendig ist — oder ob ein konservativer Weg sinnvoll ist.

 

Wie lange Krankenhaus nach Rotatorenmanschetten-OP?

Einfachere Eingriffe — etwa eine isolierte Supraspinatusnaht ohne komplexe Befunde — führe ich ambulant durch.  

Wird die Krankenkasse die OP übernehmen?

Gesetzlich Versicherte haben bei medizinisch indizierten Eingriffen grundsätzlich Anspruch auf die Kostenübernahme — die arthroskopische Rotatorenmanschettennaht ist ein etablierter Standardeingriff. Als Privatpatient werden die Kosten nach GOÄ abgerechnet. Ich empfehle, vor dem Eingriff Rücksprache mit Ihrer Kasse zu halten — ich unterstütze Sie dabei gern mit den notwendigen Unterlagen.

 

 Termin in Wiesloch vereinbaren

Wenn Sie Schulterschmerzen haben, die nicht besser werden — oder wenn Sie bereits ein MRT mit dem Befund eines Rotatorenmanschettenrisses erhalten haben — rate ich Ihnen, nicht zu lange zu warten. Je früher die richtige Diagnose gestellt und eine gezielte Behandlung eingeleitet wird, desto besser die Chancen auf eine vollständige Wiederherstellung.

In meiner orthopädischen Privatpraxis Orthopred in Wiesloch führe ich die vollständige Diagnostik — klinische Untersuchung, Ultraschall, MRT-Auswertung — und berate Sie umfassend über alle Behandlungsoptionen: vom strukturierten Eigentraining über ACP/PRP bis zur arthroskopischen Rekonstruktion.

Vereinbaren Sie jetzt einen Termin in meiner Praxis in Wiesloch – ich freue mich darauf, Sie kennenzulernen.