PRP-Therapie: Der vollständige Leitfaden aus meiner orthopädischen Praxis
Was ist PRP-Therapie?
PRP steht für Platelet-Rich Plasma – thrombozytenreiches Plasma. Der Name beschreibt das Prinzip: Aus dem Eigenblut des Patienten wird durch Zentrifugation ein Plasma gewonnen, das eine wesentlich höhere Konzentration an Blutplättchen (Thrombozyten) enthält als normales Blut. In diesen Blutplättchen sind wichtige Wachstumsfaktoren gespeichert, die bei der natürlichen Gewebeheilung eine zentrale Rolle spielen.
Wenn dieses konzentrierte Plasma in ein erkranktes Gelenk, eine gereizte Sehne oder einen entzündeten Schleimbeutel injiziert wird, setzt es eine Kaskade biologischer Reparaturprozesse in Gang: Entzündung wird reguliert, Gewebeaufbau stimuliert, die Qualität der Gelenkflüssigkeit verbessert. Der Körper heilt – konzentriert und gezielt gefördert – mit seinen eigenen Mitteln.
Wie funktioniert PRP – Schritt für Schritt?
Schritt 1: Blutabnahme
Alles beginnt mit einer einfachen Blutabnahme aus der Ellenbeuge – vergleichbar mit einem normalen Blutbild. Je nach System und Indikation werden 15 bis 90ml Blut entnommen. Das dauert wenige Minuten.
Schritt 2: Zentrifugation
Das Blut wird in eine Zentrifuge gegeben und bei einer bestimmten Drehzahl für einige Minuten zentrifugiert. Durch die Fliehkraft trennen sich die Blutbestandteile nach Dichte: Rote Blutkörperchen sinken ab, das thrombozytenreiche Plasma bleibt oben. Ich verwende das Arthrex-ACP-System (Autologes Conditioniertes Plasma), das ein klinisch dokumentiertes Premiumsystem darstellt.
Schritt 3: Präparation
Das Plasma wird aus dem Zentrifugationsbehälter entnommen und für die Injektion vorbereitet. Die Konzentration der Wachstumsfaktoren – vor allem PDGF (Platelet Derived Growth Factor), TGF-β (Transforming Growth Factor beta) und IGF (Insulin-like Growth Factor) – ist typischerweise drei- bis fünffach höher als im normalen Blut. Bei der ACP MAX Variante ist die Konzentration 10-13fach höher.
Schritt 4: Ultraschallgestützte Injektion
Das PRP wird unter Ultraschallkontrolle direkt an die Zielstruktur injiziert – in den Gelenkspalt, in die Sehne oder in den Schleimbeutel. Die Ultraschallführung ist entscheidend für die Präzision. Eine Blindinjektion ohne Bildgebung trifft die Zielstruktur häufig nicht exakt – das schmälert die Wirksamkeit erheblich. In meiner Praxis erfolgt jede PRP-Injektion unter Ultraschallsicht.
Für welche Erkrankungen ist PRP-Therapie geeignet?
Gelenkarthrose (Knie, Hüfte, Schulter)
PRP ist bei Arthrose Grad I bis III gut untersucht und zeigt eine deutlich längere Wirkdauer als Kortison oder Hyaluronsäure. Es dämpft die Gelenkentzündung (Synovitis), verbessert die Viskosität der Gelenkflüssigkeit und verlangsamt nachweislich den Knorpelabbau. Bei Kniearthrose ist die Evidenzlage besonders gut; bei Hüft- und Schulterarthrose sind die Ergebnisse ebenfalls vielversprechend.
Sehnenerkrankungen (Tendinopathien)
Rotatorenmanschette, Achillessehne, Patellasehne, Epicondylitis (Tennisarm) – bei chronischen Sehnenproblemen, die auf Entlastung und Eigentraining nicht ausreichend ansprechen, ist PRP eine gut belegte Therapieoption. Meta-Analysen zeigen eine überlegene Wirksamkeit gegenüber Kortison bei Langzeitbeobachtung.
Schleimbeutelentzündung (Bursitis)
Bei chronischer Bursitis subacromialis (Schulter), Bursitis trochanterica (Hüfte) oder anderen chronischen Bursitiden ist PRP eine biologische Alternative zu Kortison mit längerer Wirkdauer. Ich setze PRP hier ein, wenn Kortison entweder nicht ausreicht oder bereits mehrfach angewendet wurde.
Biologische Nachsorge nach Gelenkoperationen
PRP wird zunehmend in der biologischen Nachsorge nach arthroskopischen Eingriffen eingesetzt – nach Rotatorenmanschetten-Rekonstruktion, Meniskusnaht oder Kalkentfernung. Es verbessert die Gewebeintegration und reduziert das Rerupturrisko. Patienten, die in meiner Praxis nach einem solchen Eingriff durch einen anderen Chirurgen betreut werden, erhalten auf Wunsch eine PRP-Serie zur biologischen Nachsorge.
Wie viele PRP-Sitzungen sind nötig?
Der Standardzyklus bei Arthrose und Tendinopathien umfasst drei Injektionen im wöchentlichen Abstand. Manche Patienten zeigen bereits nach einer oder zwei Sitzungen eine deutliche Besserung – das hängt vom Befund und der individuellen biologischen Reaktion ab. Nach dem Erstzyklus wird der Verlauf evaluiert; in manchen Fällen ist nach sechs bis zwölf Monaten ein zweiter Zyklus sinnvoll.
PRP vs. Kortison – der entscheidende Unterschied
Kortison wirkt schneller, aber kürzer und hat bei wiederholtem Einsatz nachweislich negative Auswirkungen auf das Sehnen- und Knorpelgewebe. PRP wirkt langsamer, hält deutlich länger an – klinische Studien zeigen Wirkungsdauern von 12 bis 24 Monaten bei Arthrose – und fördert die biologische Heilung des Gewebes statt sie zu maskieren. Für eine Erkrankung, die ich langfristig behandeln möchte, ist PRP in den meisten Fällen die überlegene Entscheidung.
Häufige Fragen zur PRP-Therapie
Ist PRP-Therapie schmerzhaft?
Die Blutabnahme ist mit einer normalen Blutentnahme vergleichbar. Die Injektion selbst ist durch die Ultraschallsteuerung präzise und von den meisten Patienten gut tolerierbar. In den ersten 24 bis 48 Stunden nach der Injektion kann ein leichter Schmerz auftreten – das ist ein Zeichen der aktivierten Heilungsreaktion.
Wie lange muss ich nach der PRP-Injektion schonen?
24 bis 48 Stunden Entlastung des behandelten Gelenks sind sinnvoll. Danach kann die Alltagsaktivität schrittweise wieder aufgenommen werden. Intensiver Sport sollte für drei bis fünf Tage pausiert werden. Konkretes bespreche ich mit jedem Patienten individuell.
Gibt es Nebenwirkungen?
Da PRP aus dem eigenen Blut des Patienten gewonnen wird, gibt es keine Abstoßungsreaktion und keine allergische Reaktion auf das Plasma selbst. Wie bei jeder Injektion besteht ein sehr geringes Infektionsrisiko – ich arbeite unter sterilen Bedingungen, um dieses zu minimieren. Gelegentlich tritt eine kurzfristige Schmerzreaktion auf (Flare-up), die binnen ein bis zwei Tagen nachlässt.
Wann ist PRP nicht geeignet?
PRP ist nicht geeignet bei aktiven Gelenkinfektionen, Gerinnungsstörungen, Thrombozytenmangel oder bestimmten Krebserkrankungen. Ich beurteile die Eignung im Erstgespräch sorgfältig.
Ist PRP das Gleiche wie Stammzelltherapie?
Nein. PRP enthält keine lebenden Stammzellen, sondern Wachstumsfaktoren aus Blutplättchen. SVF-Stammzelltherapie (aus Fettgewebe) enthält mesenchymale Stammzellen und hat einen anderen Wirkmechanismus. Beide sind biologische Verfahren – aber für unterschiedliche Situationen und Stadien geeignet.
Termin vereinbaren in Wiesloch
PRP-Therapie ist mein tägliches Handwerk – ich führe die Behandlung selbst durch, wähle das System mit Bedacht und erkläre Ihnen im Erstgespräch ehrlich, ob PRP für Ihren Befund die richtige Wahl ist. Keine unnötigen Sitzungen, keine versteckten Kosten.
Vereinbaren Sie jetzt einen Termin in meiner Praxis in Wiesloch – ich freue mich darauf, Sie kennenzulernen.