20 Jul 2026

Eigenbluttherapie (ACP/PRP) an der Schulter: Wann sie hilft und was ich damit behandle

Die Schulter ist das beweglichste Gelenk des Körpers – und gleichzeitig das verletzungsanfälligste. Schulterschmerzen durch Sehnenrisse, Tendinopathien, Schleimbeutelentzündungen oder beginnende Arthrose gehören zu den häufigsten orthopädischen Diagnosen überhaupt. Als Schulterspezialist mit dem Schwerpunkt biologische Therapien setze ich ACP/PRP als eigenständige Behandlung ein – und empfehle es gezielt in der Nachsorge nach arthroskopischen Eingriffen an der Schulter, um die biologische Heilung zu unterstützen. Dieser Artikel erklärt, welche Schultererkrankungen auf Eigenbluttherapie ansprechen, was im Gelenk biologisch passiert und wo die Grenzen der Methode liegen.

Was ist Eigenbluttherapie (ACP/PRP)?

Eigenbluttherapie bezeichnet die Gewinnung und gezielte Injektion von konzentriertem plättchenreichem Plasma aus dem eigenen Blut des Patienten. Das Verfahren – in der Praxis als ACP (Autologes Conditioniertes Plasma) oder PRP (Platelet-Rich Plasma) bezeichnet – nutzt die körpereigenen Wachstumsfaktoren, die in den Blutplättchen (Thrombozyten) gespeichert sind, um Regeneration und Entzündungsregulation im Zielgewebe zu stimulieren. Ich verwende das Arthrex-ACP-System, das in der medizinischen Literatur gut dokumentiert ist und eine konstant hohe Plättchenkonzentration bei niedrigem Leukozytenanteil liefert. Alle Injektionen führe ich ultraschallgestützt durch – mehr zu ACP/PRP als Therapie finden Sie auf der Seite der Praxis.

 

Bei welchen Schultererkrankungen setze ich ACP/PRP ein?

Rotatorenmanschetten-Tendinopathie

Die Sehnen der Rotatorenmanschette – vor allem die Supraspinatussehne – sind die häufigste Lokalisierung von Sehnenschäden an der Schulter. Partielle Risse und degenerative Tendinopathien verursachen oft chronische Schmerzen beim Heben und Tragen. Bei diesen Befunden ist ACP/PRP eine gut belegte Behandlungsoption: Die Wachstumsfaktoren PDGF, TGF-beta und IGF stimulieren die Sehnenfibrozyten zur Kollagensynthese und regulieren die chronische Entzündungsreaktion, die den Heilungsprozess blockiert. Mehrere Meta-Analysen belegen eine überlegene Wirksamkeit gegenüber Kortison bei längerer Beobachtungszeit.

Schulterarthrose (Omarthrose)

Die Schulterarthrose ist seltener als Knie- oder Hüftarthrose, aber keineswegs selten. Patienten klagen über Schmerzen bei Überkopfbewegungen, Knacken und Reiben im Gelenk sowie eine zunehmend eingeschränkte Schulterbeweglichkeit. Bei Omarthrose Grad I bis III setze ich ACP/PRP als biologische Therapie ein, um Schmerzen zu reduzieren und die Gelenkfunktion zu erhalten. Die Wachstumsfaktoren dämpfen die Synovitis – die Entzündung der Gelenkinnenhaut – und wirken dem Knorpelabbau entgegen.

Schleimbeutelentzündung (Bursitis subacromialis)

Die Bursa subacromialis liegt zwischen Rotatorenmanschette und Schulterblatt (Akromion) und kann durch Überlastung, Impingement oder im Rahmen anderer Schultererkrankungen chronisch entzündet sein. Bei chronischer Bursitis, die auf Entlastung und NSAR nicht ausreichend anspricht, ist eine ultraschallgestützte ACP/PRP-Injektion in die Bursa eine wirksame Option – mit deutlich längerer Wirkdauer als Kortison und ohne dessen Nachteile für das umgebende Gewebe.

Kalkschulter (Tendinosis calcarea) – begleitend

Bei der Kalkschulter ist ACP/PRP keine primäre Therapie gegen die Kalkablagerung selbst – dafür sind Stoßwellentherapieoder die arthroskopische Entfernung zuständig. ACP/PRP setze ich ergänzend ein, um die Entzündungsreaktion im Sehnengewebe rund um die Ablagerung zu regulieren und die Gewebequalität nach mechanischer Behandlung zu verbessern.

Post-operativ nach arthroskopischen Schultereingriffen

Die biologische Nachsorge nach Schulteroperationen ist ein Einsatzbereich, der mir besonders am Herzen liegt. Wenn Patienten eine arthroskopische Schulteroperation hatten – sei es eine Rotatorenmanschetten-Rekonstruktion, eine Kalkentfernung oder eine SLAP-Reparatur – empfehle ich im Anschluss eine ACP/PRP-Serie, um die Sehnennaht biologisch zu unterstützen. Studien zeigen, dass PRP nach Rotatorenmanschetten-Rekonstruktion die Sehnenintegration verbessert und das Risiko einer erneuten Ruptur reduziert. Ich übernehme hier die biologische Nachsorge – koordiniert mit dem operierenden Chirurgen.

 

Wie läuft eine ACP/PRP-Behandlung an der Schulter ab?

Der Ablauf ist unkompliziert und vollständig ambulant. Zunächst nehme ich etwa 10 bis 15 ml Blut aus der Ellenbeuge ab – vergleichbar mit einer normalen Blutabnahme. Das Blut wird in einer Doppelspritze (Arthrex ACP) zentrifugiert; das Plasma setzt sich ab und kann direkt weiterverwendet werden. Die Injektion führe ich unter Ultraschallkontrolle durch – so wird das Plasma präzise an die richtige Stelle gebracht, egal ob in die Sehne, die Bursa oder den Gelenkspalt. Danach sollten Patienten den Arm für 24 bis 48 Stunden schonen; anschließend kann die Alltagsaktivität schrittweise wieder aufgenommen werden.

Der Standardzyklus umfasst drei Sitzungen in einem Abstand von je zwei bis vier Wochen. Gesetzliche Krankenkassen erstatten die Behandlung nicht; Privatpatienten können die Kosten häufig über ihre PKV abrechnen.

 

Wann ist ACP/PRP an der Schulter nicht die richtige Wahl?

Ehrlichkeit gehört zur guten Medizin. ACP/PRP hilft nicht bei jedem Schulterproblem gleich gut. Bei einem vollständigen Riss der Rotatorenmanschette (komplette Ruptur), der konservativ nicht mehr ausreichend behandelbar ist, ist eine operative Versorgung durch einen spezialisierten Schulterchirurgen vorrangig – ACP/PRP empfehle ich dann in der biologischen Nachsorge, um die Heilung nach dem Eingriff zu unterstützen. Bei hochgradiger Schulterarthrose (Grad IV) mit vollständigem Knorpelverlust ist die Wirksamkeit von ACP/PRP eingeschränkt; hier kommen alternativ SVF-Stammzelltherapie oder, als letzter Schritt, die Vorstellung bei einem Schulter-Prothetik-Spezialisten in Frage. Ich beurteile in jedem Erstgespräch, welche Behandlung für den individuellen Befund die richtige Wahl ist.

 

Häufige Fragen zur Eigenbluttherapie an der Schulter

Wie oft muss ACP/PRP an der Schulter injiziert werden?

Der Standardzyklus umfasst drei Sitzungen im Abstand von 1 Woche . Je nach Befund und Ansprechen kann bereits nach zwei Sitzungen eine deutliche Besserung eintreten

Wie lange hält der Effekt von ACP/PRP an der Schulter an?

Bei der richtigen Indikation sollten die Beschwerden nicht mehr wiederkommen. Dies erfordert, dass die Ursache beseitigt ist. Meist entstehen diese Veränderungen durch schlechte Haltung oder Fehl/Überlastung. . Bei Schulterarthrose variiert die Wirkdauer stärker – sechs bis zwolf Monate sind typisch. Patienten, die die Schultermuskulatur gezielt aufbauen und belasten, profitieren länger. Ich empfehle nach Ablauf der Wirkungsdauer eine erneute Beurteilung.

Ist ACP/PRP an der Schulter schmerzhaft?

Die Injektion selbst ist durch die Ultraschallsteuerung gut kontrollierbar und von den meisten Patienten gut tolerierbar. In den ersten 24 bis 48 Stunden kann eine leichte Schmerzverstärkung auftreten – das ist ein Zeichen der ausgelösten Heilungsreaktion und klingt in der Regel schnell ab.

Kann ACP/PRP einen Schulter-OP ersetzen?

Das hängt vom Befund ab. Bei partiellen Sehnenrissen und Tendinopathien häufig: ja; und bei Schulterarthrose Grad I bis III ist ACP/PRP oft eine echte Alternative zur Operation – bzw.  verzögert sie so lange, bis der Patient selbst entscheiden möchte. Bei kompletten Sehnenrissen oder schwerer Arthrose ist ACP/PRP allein nicht ausreichend; hier ist eine operative Versorgung sinnvoller, mit ACP/PRP als biologische Nachsorge.

Warum empfehlen Sie ACP/PRP statt Kortison?

Kortison wirkt schneller, aber kürzer – und bei Daueranwendung beschädigt es das Sehnengewebe strukturell. ACP/PRP wirkt langsamer, hält länger an und fördert die biologische Heilung des Gewebes statt sie zu maskieren. Bei einer Erkrankung, die ich langfristig behandeln möchte, setze ich deshalb lieber auf einen biologischen Ansatz. Kortison kann in akuten Schmerzkrise einmalig sinnvoll sein – aber nicht als Dauerlösung.

 

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Die Schulter ist das Gelenk, das ich am besten kenne. Wenn Sie Schulterschmerzen haben und wissen möchten, ob ACP/PRP oder eine andere biologische Therapie die richtige Wahl für Ihren Befund ist, berate ich Sie in meiner Praxis in Wiesloch konkret und ehrlich.

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