08 Jun 2026

Ist die ACP-Therapie umstritten? Mein ehrlicher Blick auf die Studienlage

Sie haben gelesen oder gehört, die ACP-Therapie sei umstritten – reine Geldmacherei, ein Marketing-Trend ohne echten Nutzen. Vielleicht hat Ihnen jemand gesagt, das sei alles nur Eigenblut und Placebo. Und jetzt sitzen Sie da mit Ihren Schmerzen im Knie oder in der Schulter und wissen nicht, was Sie glauben sollen. Ich verstehe diese Verunsicherung gut, denn ich höre sie in meiner Praxis in Wiesloch fast täglich. Ich bin Mediziner, kein Influencer – und genau deshalb gebe ich Ihnen hier meine ehrliche, ausgewogene Einschätzung statt Heilsversprechen.

Ich bin ehrlich: Die ACP-Therapie ist eine Behandlungsoption mit uneinheitlicher Studienlage. Sie ist weder ein Wundermittel, das jede Arthrose heilt, noch ist sie wertloser Humbug. Die Wahrheit liegt dazwischen – und die will ich Ihnen zeigen.

Warum gilt die ACP-Therapie als umstritten?

Wenn eine Behandlung als umstritten gilt, hat das meist konkrete Gründe. Bei der ACP- beziehungsweise PRP-Therapie sind es im Wesentlichen diese:

  • Uneinheitliche Studienergebnisse: Manche Untersuchungen zeigen klare Verbesserungen, andere keinen Unterschied zu Vergleichsbehandlungen.
  • Fehlende Standardisierung: PRP ist nicht gleich PRP. Konzentration, Aufbereitung und Anzahl der Sitzungen unterscheiden sich von Anbieter zu Anbieter erheblich – das macht Studien schwer vergleichbar.
  • Kleine Fallzahlen und kurze Beobachtungszeiträume: Viele Studien laufen nur über sechs bis zwölf Monate.
  • Fehlende Langzeitdaten: Wie es nach mehreren Jahren aussieht, ist oft schlicht nicht untersucht.
  • Publikationsbias: Studien mit positivem Ergebnis werden eher veröffentlicht als solche ohne Effekt – das verzerrt das Gesamtbild.

Diese Punkte muss man kennen, bevor man über Wirksamkeit überhaupt redet. Sonst diskutiert man an der Sache vorbei.

Was ist die ACP-Therapie eigentlich?

ACP steht für Autologes Conditioniertes Plasma, gelegentlich auch als PHP bezeichnet. Es gehört zur Gruppe der PRP-Verfahren – PRP ist der englische Oberbegriff für plättchenreiches Plasma. Das Prinzip ist denkbar einfach: Ich nehme Ihnen etwas Blut ab, zentrifugiere es und gewinne so einen Anteil, der besonders reich an Blutplättchen und körpereigenen Wachstumsfaktoren ist. Dieses Konzentrat spritze ich gezielt in das betroffene Gelenk oder die geschädigte Sehne.

Der große Vorteil aus meiner Sicht: Es handelt sich um körpereigenes Material. Die ACP-Therapie ist deshalb in der Regel gut verträglich, allergische Reaktionen auf das Plasma sind praktisch ausgeschlossen. Das ist ein wichtiger Punkt, wenn man Nutzen und Risiko abwägt.

Was die Studien für eine Wirkung sagen

Es gibt durchaus Daten, die für einen Nutzen sprechen – und die will ich Ihnen nicht verschweigen, nur weil das Thema kritisch diskutiert wird.

Eine viel zitierte Meta-Analyse von Dai und Kollegen aus dem Jahr 2017, erschienen im Fachjournal „Arthroscopy“, verglich PRP mit Hyaluronsäure und Kochsalzlösung bei Kniearthrose. Sie fand Hinweise auf eine Verbesserung von Schmerz und Funktion durch PRP. Auch eine systematische Übersichtsarbeit von Belk und Kollegen aus dem Jahr 2021 im „American Journal of Sports Medicine“ lieferte Hinweise auf bessere Schmerz-Scores durch PRP bei Kniearthrose.

Aus meiner eigenen Erfahrung sehe ich besonders bei Sehnenbeschwerden – etwa Tennisellenbogen oder Achillessehnenreizungen – ordentliche Ergebnisse. Die Erfolgsraten liegen hier nach meiner Einschätzung und der verfügbaren Literatur bei rund 65 bis 80 Prozent. Das ist ein Bereich, in dem ich die ACP-Therapie mit gutem Gewissen anbiete.

Wo die Evidenz an ihre Grenzen stößt

Jetzt kommt der ehrliche Teil, den manche Anbieter gerne weglassen. Es gibt nämlich auch hochwertige Studien, die ernüchternd ausfallen.

Der sogenannte RESTORE-Trial von Bennell und Kollegen, 2021 im renommierten „JAMA“ veröffentlicht, untersuchte PRP bei Kniearthrose gegen eine Placebo-Injektion. Das Ergebnis: kein klarer Vorteil gegenüber Placebo. Das ist eine starke, gut gemachte Studie – und sie mahnt zur Vorsicht, gerade beim Kniegelenk.

Dazu kommen die strukturellen Schwächen, die ich oben schon genannt habe: fehlende Langzeitdaten über mehrere Jahre, oft nur kurze Beobachtungszeiträume und der Publikationsbias. Wer Ihnen erzählt, die Wirksamkeit der ACP-Therapie sei eindeutig bewiesen, sagt nicht die ganze Wahrheit.

Was die Leitlinien sagen – und warum ich das offen ausspreche

Hier wird es für viele unangenehm, und genau deshalb spreche ich es offen aus: Die OARSI-Leitlinie aus dem Jahr 2019 (Bannuru und Kollegen, erschienen in „Osteoarthritis and Cartilage“) spricht eine starke Empfehlung gegen den Einsatz von intraartikulärem PRP bei Kniearthrose aus.

Das ist keine „keine eindeutige Empfehlung“, wie es manchmal verharmlosend dargestellt wird. Es ist eine klare Empfehlung dagegen. Begründet wird sie mit der sehr niedrigen Qualität der Evidenz und der fehlenden Standardisierung der Präparate. Ich finde, das gehört auf den Tisch, wenn man seriös beraten will.

Mein ausgewogenes Fazit – für wen die ACP-Therapie sinnvoll sein kann

Wo stehe ich also? Genau in der Mitte, weil die Daten das hergeben. Beim Kniegelenk bin ich angesichts von RESTORE und der OARSI-Empfehlung deutlich zurückhaltend und kläre Sie ehrlich darüber auf, dass die Evidenz hier kritisch ist. Bei Sehnenbeschwerden dagegen sehe ich – in der Praxis wie in Teilen der Literatur – spürbare Erfolge, und dort halte ich die ACP-Therapie für eine vertretbare Option.

Sinnvoll kann die Behandlung aus meiner Sicht sein, wenn konservative Maßnahmen ausgereizt sind, Sie eine gut verträgliche Alternative mit körpereigenem Material suchen und Sie realistische Erwartungen mitbringen. Was ich nicht möchte: Ihnen eine Heilung versprechen, die niemand garantieren kann. In meiner Praxis in Wiesloch entscheide ich das immer im Einzelfall mit Ihnen gemeinsam – ehrlich, ohne Verkaufsdruck.

Was kostet die ACP-Therapie?

Die ACP-Therapie ist eine individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) und damit in der Regel eine Selbstzahlerleistung. Als Richtwert sollten Sie mit etwa 200 Euro pro Sitzung rechnen. Die genaue Zahl hängt vom Aufwand und der Anzahl der nötigen Behandlungen ab. Über die konkreten Kosten für Ihren Fall spreche ich transparent im persönlichen Gespräch.

Häufige Fragen zur ACP-Therapie

Ist die ACP-Therapie wirklich umstritten?

Ja, in Teilen. Bei Kniearthrose ist die Studienlage uneinheitlich, hochwertige Studien wie der RESTORE-Trial zeigen keinen klaren Vorteil, und die OARSI-Leitlinie 2019 spricht sich klar gegen PRP beim Knie aus. Bei Sehnenbeschwerden fällt meine Einschätzung dagegen positiver aus.

Ist die ACP-Therapie gefährlich?

Nein, das Risiko ist gering. Da körpereigenes Material verwendet wird, ist die Behandlung in der Regel gut verträglich. Wie bei jeder Injektion gibt es ein kleines allgemeines Risiko, etwa für eine Reizung an der Einstichstelle.

Worin liegt der Unterschied zwischen ACP und PRP?

PRP ist der Oberbegriff für plättchenreiches Plasma. ACP ist eine konkrete Variante davon. Im Alltag werden die Begriffe oft synonym verwendet.

Wie viele Sitzungen brauche ich?

Das ist sehr individuell. Häufig sind mehrere Sitzungen im Abstand von einigen Wochen üblich. Den genauen Plan stimme ich in Wiesloch auf Ihre Beschwerden ab.

Sie wollen eine ehrliche Einschätzung zu Ihrem Fall?

Ich bewerte mit Ihnen offen, ob die ACP-Therapie bei Ihren Beschwerden sinnvoll ist – oder eben nicht. Vereinbaren Sie einen Termin in meiner Praxis in Wiesloch unter orthopred.de.