Sehnenentzündung am Oberschenkel: Symptome, Diagnose und was ich empfehle
Welche Sehnen am Oberschenkel können betroffen sein?
Adduktoren-Sehnen (Innenseite)
Die Adduktoren-Gruppe (M. adductor longus, brevis, magnus, M. gracilis) zieht an der Leiste und der Innenseite des Oberschenkels. Eine Adduktoren-Tendinopathie – häufig auch als Leistenproblem bezeichnet – tritt typischerweise bei Fußballern, Reitern und Sportlern mit schnellen Richtungswechseln auf. Typische Symptome: Ziehender Schmerz an der Leisteninnenseite, besonders beim Absprung, Sprint oder bei der Spreizung der Beine.
Hamstring-Sehnen (Rückseite)
Die ischiocrurale Muskelgruppe (M. biceps femoris, M. semitendinosus, M. semimembranosus) setzt am Sitzbein (Tuber ischiadicum) an. Eine proximale Hamstring-Tendinopathie verursacht tiefen Schmerz im Gesäß und an der Rückseite des Oberschenkels, der beim Sitzen auf harten Flächen, beim Treppensteigen und beim Bergaufgehen zunimmt. Besonders häufig bei Mittel- und Langstreckenläufern sowie bei Menschen, die viel sitzen.
Quadrizeps-Sehne (Vorderseite)
Die Quadrizeps-Sehne verbindet den M. quadriceps femoris mit der Kniescheibe (Patella). Eine Quadrizeps-Tendinopathie ist seltener als die Patellasehnen-Tendinopathie (Jumper’s Knee), aber klinisch bedeutsam. Symptome: Schmerz oberhalb der Kniescheibe, besonders beim Treppensteigen, tiefem Kniebeugen und beim Aufstehen aus dem Sitzen.
Tractus iliotibialis (Außenseite)
Der Iliotibialband-Komplex (IT-Band) ist keine Sehne im engeren Sinne, kann aber eine Insertionstendinopathie und Bursitis an der Außenseite des Knies verursachen (Läuferknie / Tractus-iliotibialis-Syndrom). Typisch: stechender Schmerz an der Oberschenkelaußenseite kurz oberhalb des Kniegelenks, besonders beim Bergablaufen.
Typische Symptome einer Sehnenentzündung am Oberschenkel
Sehnenentzündungen am Oberschenkel haben einige charakteristische Merkmale, die sie von Muskelzerrungen und Gelenkproblemen unterscheiden: Der Schmerz ist meist gut lokalisierbar und druckempfindlich direkt über der Sehne oder ihrem Ansatz. Der Schmerz ist belastungsabhängig: Er beginnt am Anfang der Belastung, bessert sich kurz, und kehrt nach Ende der Belastung wieder. Morgensteifheit und Anlaufschmerz nach Ruhephasen sind typisch. Bei akuter Entzündung kann leichte Schwellung und Wärme über der betroffenen Sehne bestehen. Anders als bei Muskelfaserrissen gibt es keinen ‚Knall‘ und keine unmittelbare Bewegungsunfähigkeit.
Wie ich die Diagnose stelle
Die Diagnose einer Oberschenkel-Tendinopathie beginnt bei mir mit einer gezielten Anamnese: Welche Sportarten werden betrieben? Hat sich die Belastung kürzlich verändert (Trainingsvolumen, Untergrund, Schuhe)? Gibt es einen typischen Anlaufschmerz? Wann sind die Schmerzen am schlimmsten?
Klinisch prüfe ich Druckschmerz direkt über der betroffenen Sehne und ihrem Ansatz sowie schmerzprovozierenden Bewegungstests. Der Ultraschall ist mein bevorzugtes Bildgebungsverfahren: Er zeigt mir Sehnenstruktur, Fibrillenunterbrechungen, intratendinöse Verkalkungen und Einblutungen. Bei Verdacht auf vollständige Ruptur oder komplexere Befunde erweitere ich mit MRT.
Mein Behandlungsansatz bei Sehnenentzündungen am Oberschenkel
Schritt 1: Relative Entlastung, nicht vollständige Schonung
Der wichtigste erste Schritt ist die Reduktion schmerzhafter Reize – nicht die vollständige Schonung. Sehnen brauchen Belastung zur Heilung, aber keine übermäßige. Ich empfehle eine Trainingsanpassung: Schmerzhafte Trainingsformen kurzfristig reduzieren oder ersetzen, aber nicht komplett pausieren. Laufen durch Radfahren ersetzen, Sprints durch Kraft- und Stabilitätsarbeit.
Schritt 2: Exzentrisches Kräftigungstraining
Exzentrische Übungen – also Muskelarbeit mit Verlängerung der Sehne – sind die effektivste konservative Therapie bei Tendinopathien. Sie stimulieren das Sehnengewebe zur Restrukturierung und reduzieren Schmerz langfristig. Für die Hamstring-Sehnen ist das z. B. die Nordic-Curl-Übung oder der Romanian Deadlift. Für die Adduktoren gibt es spezifische Adduktoren-Exzentriktik. Ich zeige meinen Patienten die Übungen und erkläre die Progressionsstufen.
Schritt 3: Stoßwellentherapie
Bei chronischen Tendinopathien, die auf Training allein nicht ansprechen, ist die extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT) eine gut belegte Therapieoption. Sie wird ambulant durchgeführt, ist nicht-invasiv und stimuliert die Sehnenregeneration. Mehrere Sitzungen im Abstand von einer Woche sind üblich.
Schritt 4: ACP/PRP-Injektion bei chronischer Tendinopathie
Bei chronischer, degenerativer Tendinopathie – die auf konservative Maßnahmen über mehrere Wochen nicht ausreichend angesprochen hat – setze ich gezielt ACP/PRP ein. Das Wachstumsfaktor-Konzentrat aus dem Eigenblut des Patienten enthält PDGF, TGF-β und IGF-1 – Faktoren, die die Sehnenregeneration biologisch stimulieren und die Gewebsentzündung regulieren. Die Injektion erfolgt unter Ultraschallkontrolle präzise in das degenerierte Sehnengewebe. Die Wirkung entfaltet sich über vier bis acht Wochen und ist bei vielen meiner Patienten mit chronischer Hamstring- oder Adduktoren-Tendinopathie sehr gut.
Wann eine Operation sinnvoll sein kann
Bei einer vollständigen Sehnenruptur – etwa der proximalen Hamstring-Sehne am Sitzbein – kann eine operative Refixation notwendig sein, besonders bei aktiven jüngeren Patienten. Diese Operation führe ich nicht selbst durch, sondern verweise an spezialisierte Unfallchirurgen und Sportorthopäden. Ich begleite nach erfolgreicher Versorgung die biologische Nachsorge und begleite den Rehabilitationsprozess.
Häufige Fragen zur Sehnenentzündung am Oberschenkel
Wie lange dauert eine Sehnenentzündung am Oberschenkel?
Akute Reizzustände heilen mit konsequenter Entlastung und angepasstem Eigentraining oft in vier bis acht Wochen. Chronische Tendinopathien – wenn die Sehne über Monate falsch belastet oder zu früh wieder belastet wurde – können drei bis sechs Monate in Anspruch nehmen. Mit ACP/PRP und gezieltem exzentrischen Training lässt sich dieser Prozess häufig erheblich beschleunigen.
Was ist der Unterschied zwischen Sehnenentzündung und Zerrung?
Eine Zerrung (Muskelfasereinriss) entsteht akut durch eine Überdehnung oder plötzliche Überlastung und geht oft mit einem ‚Riss‘-Gefühl und sofortigem Funktionsverlust einher. Eine Sehnenentzündung (Tendinopathie) entwickelt sich schleichend durch chronische Überlastung und ist primär schmerzhaft, ohne sofortigen Funktionsverlust. Beide Diagnosen können per Ultraschall voneinander abgegrenzt werden.
Kann ich Sport treiben bei Sehnenentzündung am Oberschenkel?
In angepasster Form ja. Vollständige Schonung verlangsamt die Sehnenregeneration. Wichtig ist, schmerzauslösende Belastungen zu reduzieren und durch sehnenfreundlichere Aktivitäten zu ersetzen. Was erlaubt ist und was nicht, hängt von der betroffenen Sehne, dem Stadium und dem Ausmaß des Befunds ab – das bespreche ich individuell.
Ist Wärme oder Kälte besser bei Sehnenentzündung?
In der Akutphase mit spürbarer Schwellung und Wärme hilft Kühlung (Kühlpack mit Tuch, 15 Minuten, mehrmals täglich). Bei chronischer Tendinopathie ohne akute Entzündung ist Wärme vor dem Training (Durchblutungsförderung) oft angenehmer und sinnvoll. Beide Maßnahmen sind unterstützend, ersetzen aber kein spezifisches Therapieprogramm.
Wann sollte ich zum Arzt?
Sofort, wenn der Schmerz akut und stark auftritt (Verdacht auf Ruptur), wenn eine deutliche Schwellung und Bewegungseinschränkung besteht, oder wenn Schmerzen trotz Sportpause länger als zwei Wochen anhalten. Je früher eine Tendinopathie korrekt diagnostiziert wird, desto schneller und einfacher ist sie zu behandeln.
Termin vereinbaren in Wiesloch
Sehnenproblemen am Oberschenkel gehe ich in meiner Praxis mit Ultraschall-Diagnostik, exzentrischem Trainingsprogramm und – bei Bedarf – ACP/PRP auf den Grund. Individuell, konkret, ohne Übertherapie.
Vereinbaren Sie jetzt einen Termin in meiner Praxis in Wiesloch – ich freue mich darauf, Sie kennenzulernen.