07 Jul 2026

Schultersehne gerissen – was jetzt? Alles, was Sie wissen müssen

“Mir wurde gesagt, die Schultersehne ist gerissen” — dieser Satz verunsichert. Muss das sofort operiert werden? Bin ich jetzt dauerhaft eingeschränkt? Wird die Schulter je wieder so wie vorher? Diese Fragen stellen mir Patientinnen und Patienten in meiner Praxis in Wiesloch täglich — und fast immer lautet die ehrliche Antwort: Es kommt auf den Befund an. Was ich Ihnen sagen kann: Mit der richtigen Diagnose und einer durchdachten Behandlung sind die Aussichten in den meisten Fällen gut. Dieser Artikel erklärt, was hinter dem Befund steckt und was Sie erwarten können.

Was bedeutet “Schultersehne gerissen” medizinisch?

Wenn man im Alltag von der “Schultersehne” spricht, ist fast immer eine der Sehnen der Rotatorenmanschette gemeint — jener Verbund aus vier Muskeln und Sehnen, der Ihre Schulter umhüllt und stabilisiert. Die Hauptaufgabe dieser Sehnen: den Oberarmknochen in der Gelenkpfanne zu zentrieren und gezielte Schulterbewegungen zu ermöglichen.

Am häufigsten reißt die Supraspinatus-Sehne — sie liegt oben am Schultergelenk und ist beim Anheben des Arms besonders belastet. Weniger häufig, aber ebenfalls möglich: Risse der Infraspinatus-, Teres-minor- oder Subscapularis-Sehne.

Partialriss oder kompletter Riss?

Nicht jeder Riss ist gleich. Ein Partialriss bedeutet, dass die Sehne angerissen, aber noch teilweise intakt ist — die Funktion ist eingeschränkt, aber nicht vollständig aufgehoben. Ein kompletter Riss hingegen bedeutet, dass die Sehne vollständig durchtrennt ist und der Muskel keinen Zug mehr auf das Gelenk ausüben kann. Die Größe des Risses, seine Lage und wie lange er bereits besteht — all das beeinflusst die Behandlungsstrategie maßgeblich. Deshalb ist eine sorgfältige Diagnose der unbedingte erste Schritt.

 

Wie fühlt sich ein Sehnenriss an?

Das Empfinden variiert stark — je nachdem, ob der Riss plötzlich oder schleichend entstanden ist:

Traumatischer Riss — der klare Schmerzmoment

Bei einem Sturz, einer Zerrung oder einer Schulterausrenkung ist der Augenblick des Risses oft deutlich spürbar: ein plötzlicher, stechender Schmerz, sofortiger Kraftverlust, manchmal ein Knackgeräusch. Der Arm hängt schwer, Bewegungen sind sofort eingeschränkt.

Degenerativer Riss — die schleichende Verschlechterung

Wenn sich Sehnengewebe über Jahre hinweg abnutzt und schließlich reißt, verläuft der Übergang oft fließend. Viele Betroffene berichten, dass die Schmerzen langsam zugenommen haben, ohne dass sie einen konkreten Unfall benennen können. Manchmal ist der komplette Riss sogar fast schmerzfrei — der Kraftverlust fällt dann stärker auf als der Schmerz.

Typische Zeichen, die auf einen Sehnenriss hindeuten, sind Schmerzen beim Anheben des Arms — besonders zwischen 60° und 120° —, Nachtschmerzen, die das Schlafen auf der betroffenen Schulter unmöglich machen, sowie ein deutlicher Kraftverlust, bei dem der Arm nicht mehr gegen Widerstand gehalten werden kann (Drop-Arm-Phänomen). Dazu kommt häufig ein Schmerz, der tief in der Schulter sitzt oder bis in den Oberarm ausstrahlt.

Wie wird es diagnostiziert?

Eine solide Diagnose braucht mehr als ein Bild. Ich kombiniere die klinische Untersuchung mit bildgebenden Verfahren, um ein vollständiges Bild der Schulterverletzung zu bekommen.

MRT — das wichtigste Werkzeug

Das MRT ist der Goldstandard für die Beurteilung von Schultersehnen. Es zeigt mir, wie groß der Riss ist, ob die Sehne sich bereits zurückgezogen hat (Retraktion) und ob der zugehörige Muskel bereits Zeichen von Schwund (Atrophie) zeigt. Diese drei Informationen entscheiden über den Behandlungsweg. Ich prüfe dabei besonders genau die Rissgröße und genaue Lokalisation, den Grad der Retraktion — also wie weit sich die Sehne vom Knochen entfernt hat —, mögliche Muskelatrophie und begleitende Veränderungen wie Schleimbeutelentzündung oder Tendinose.

Ultraschall — ergänzend und dynamisch

Der Ultraschall erlaubt mir, Sehnenstrukturen in Bewegung zu beurteilen. Ich nutze ihn als schnelles, ergänzendes Werkzeug in der ersten Untersuchung. Er ersetzt das MRT bei unklaren oder komplexen Befunden nicht, gibt aber oft wertvolle Zusatzinformationen und reicht für den ersten Eindruck aus.

Muss ich sofort operiert werden?

Nein — nicht automatisch. Die Antwort hängt von mehreren Faktoren ab, und ich entscheide das immer individuell nach dem Befund und Ihrer persönlichen Situation.

Partialriss ohne relevante Funktionseinschränkung

Viele Partialrisse lassen sich erfolgreich konservativ behandeln. Das bedeutet: gezielter Muskelaufbau für die verbliebene Schultermuskulatur, strukturiertes Eigentraining und ACP/PRP-Therapie. Die Wachstumsfaktoren PDGF, TGF-β und IGF aus Ihrem eigenen Blut werden gezielt in den Sehnenbereich injiziert und stimulieren die körpereigene Regeneration.

Kompletter Riss beim jüngeren, aktiven Patienten

Hier empfehle ich eine frühzeitige arthroskopische Sehnennaht. Das Zeitfenster für eine erfolgreiche Rekonstruktion ist nicht unbegrenzt: Je länger der Riss besteht, desto mehr zieht sich die Sehne zurück — und desto schwieriger wird die spätere Reparatur.

Degenerativer Riss beim älteren Patienten mit wenig Beschwerden

In diesem Fall ist die Abwägung individuell. Wenn die Funktion noch ausreichend erhalten ist und die Lebensqualität nicht wesentlich beeinträchtigt wird, kann ein konservativer Weg der richtige sein. Bei deutlicher Einschränkung oder Schmerzen, die trotz Therapie anhalten, kann unter bestimmten Voraussetzungen, wie der Sehnenqualität, operiert werden. 

Was passiert bei der Operation?

Wenn eine Operation empfohlen wird, erkläre ich Ihnen im Vorfeld genau, was auf Sie zukommt. Hier ein Überblick:

Arthroskopische Sehnennaht

Ich führe die Sehnenrekonstruktion arthroskopisch durch — über kleine Stiche, ohne großen Schnitt. Eine Kamera und speziell eingeführte Instrumente ermöglichen mir die Sicht auf das Gelenk und die präzise Arbeit an der Sehne. Die Operation wird ambulant durchgeführt. .

Narkose

Der Eingriff findet in Vollnarkose statt, begleitet von einem Schmerzblock am Arm (Plexusblockade). Dieser Nervenblock wirkt noch Stunden nach dem Aufwachen und macht den Übergang in die normalen Schmerzmittel deutlich angenehmer.

Technik

Die gerissene Sehne wird mit speziellen Knochenankern wieder an ihrem ursprünglichen Ansatz am Oberarmknochen befestigt. Kein großer Schnitt, keine langen Wundnähte — das Gewebe drumherum bleibt weitgehend geschont.

Ambulant oder mit kurzem Aufenthalt

Die Eingriffe führe ich ambulant durch — Sie kommen, werden operiert und gehen am gleichen Tag nach Hause. Was danach kommt

Die Nachbehandlung ist entscheidend für den Erfolg. In den ersten vier Wochen schützt eine Schulterorthese die frische Naht vor Überlastung und Zug. In den ersten sechs Wochen nach der Sehnennaht kommt der Schulterbewegungsstuhl zum Einsatz: Die Schulter wird passiv bewegt, ohne dass die Muskeln aktiv arbeiten — so bleibt das Gelenk beweglich, ohne die Naht zu belasten. Ab Woche sechs beginnt der aktive Muskelaufbau und das strukturierte Eigentraining nach Plan, das die gesamte Schultermuskulatur systematisch kräftigt. ACP/PRP wird zur Regenerationsunterstützung in der frühen Heilungsphase eingesetzt: Die Wachstumsfaktoren PDGF, TGF-β und IGF beschleunigen dabei die Sehnenregeneration.

Wie lange bis ich wieder fit bin?

Das ist die Frage, die ich am häufigsten höre — und die Antwort verlangt Ehrlichkeit: Sehnen heilen langsam. Das ist keine schlechte Nachricht, sondern einfach Biologie. Mit realistischen Erwartungen fällt die Geduld leichter. Büroarbeit und leichte Alltagstätigkeiten sind oft nach zwei bis drei Wochen wieder möglich. Volle Alltagsbelastbarkeit ist nach etwa drei Monaten realistisch. Für Sport und körperliche Arbeit sollten — je nach Umfang des Eingriffs — vier bis neun Monate eingeplant werden.

Die Prognose ist bei früher, korrekter Behandlung sehr gut. Viele Patientinnen und Patienten aus meiner Praxis in Wiesloch kehren nach einer Rotatorenmanschetten-Rekonstruktion vollständig in ihr früheres Aktivitätsniveau zurück — auch beim Sport.

Häufige Fragen (FAQ)

 

Schultersehne gerissen – kann das von alleine heilen?

Ein Partialriss kann sich unter optimalen Bedingungen verbessern — mit gezieltem Muskelaufbau, Entlastung und ACP/PRP-Therapie. Ein kompletter Riss heilt strukturell nicht von alleine. Die Beschwerden können sich manchmal etwas bessern, weil die verbleibenden Muskeln kompensieren — aber die Ursache bleibt bestehen, und das Risiko weiterer Verschlechterung ist real.

 

Wie schmerzhaft ist die OP?

Die arthroskopische Sehnennaht erfolgt in Vollnarkose begleitet von einem Schmerzblock. Sie schlafen tief und wachen ohne Schmerzen auf — der Nervenblock wirkt noch Stunden nach. Direkt nach der OP sind Schmerzmittel wichtig, aber viele Patientinnen und Patienten sind überrascht, wie gut der Schmerz kontrollierbar ist. In den ersten Tagen ist Kühlen, Hochlagern und die verordneten Schmerzmittel das Wichtigste.

 

Welche Schlinge muss ich danach tragen?

Nach einer Sehnenrekonstruktion tragen Sie eine Schulterorthese — keine einfache Schlinge, sondern eine Abduktionsschiene, die den Arm in einer leicht abgespreizten Position fixiert. Das schützt die frische Naht vor schädlichen Zugkräften. Diese Orthese tragen Sie konsequent ca. 4 Wochen, auch nachts.

 

Wann darf ich wieder schlafen wie vorher — auf der operierten Schulter?

Das Schlafen auf der operierten Schulter ist frühestens nach ca. 3 Monaten wieder möglich — wenn die Sehne ausreichend eingeheilt ist und keine Druckbelastung mehr zur Gefahr wird. In den ersten Wochen empfehle ich, auf dem Rücken zu schlafen oder auf der gesunden Seite mit einem Kissen als Stütze für den operierten Arm. Die meisten Patientinnen und Patienten finden schon nach einigen Wochen eine angenehme Position.

 

Termin in Wiesloch vereinbaren

Wenn Sie die Diagnose “Schultersehne gerissen” erhalten haben — oder wenn Sie Schulterschmerzen haben, die sich nicht erklären lassen — dann ist der nächste Schritt eine persönliche Untersuchung. Nicht jeder Befund bedeutet dasselbe, und nicht jede Schulter braucht dieselbe Behandlung.

In meiner Praxis Orthopred in Wiesloch nehme ich mir die Zeit für eine sorgfältige Diagnostik und ein offenes Gespräch über Ihre Optionen. Ich zeige Ihnen, was Ihr Befund konkret bedeutet — und welcher Weg zu Ihrer Situation passt. Ob konservativ mit ACP/PRP und strukturiertem Eigentraining oder arthroskopisch: Ich begleite Sie.

Vereinbaren Sie jetzt einen Termin in meiner Praxis in Wiesloch – ich freue mich darauf, Sie kennenzulernen.